Bei der Suche nach neuen Namen für die Mädchenschule und die Knabenschule erinnerte man sich an zwei Persönlichkeiten, die sich um das lippische Volksschulwesen besondere Verdienste erworben haben, die Fürstin Pauline und den Generalsuperintendenten Ferdinand Weerth. So wurden auf Vorschlag der beiden Schulen die Mädchenschule in Paulinenschule und die Knabenschule in Weerthschule umbenannt.
Die Fürstin Pauline gilt allgemein als eine in der damaligen Zeit sehr fortschrittlich denkende und auch handelnde Regentin. So hatte sie auch zum Schulwesen eine durchaus moderne Einstellung. Sie sah es als Pflicht des Staates an, für die Bildung aller Kinder, ohne Unterschied des Herkommens, Sorge zu tragen. Dies sollte geschehen in angemessenen Schulanstalten und mit gut vorgebildeten Lehrern. Gerade Letzteres war ihr ein vordringliches Anliegen und dazu bedurfte sie der Hilfe kluger, fortschrittlich denkender Berater.
Nach den Kirchenordnungen der damaligen Zeit war den Predigern die Aufsicht über die in ihrem Kirchensprengel befindlichen Schulen übertragen. Die Aufsicht über das gesamte Volksschulwesen im Land Lippe unterstand dem jeweiligen Generalsuperintendenten. Hier sind besonders die Geistlichen Ewald und von Cölln zu nennen, die sich unter der Regentschaft der Fürstin Pauline mit Hingabe um die Förderung des lippischen Schulwesens bemüht haben, wenngleich mit unterschiedlichen Grundeinstellungen. Während es für Ewald vor allem um die religiöse Einstellung der Lehrer ging, hatte von Cölln mehr die eigentliche Aufgabe des Lehrers, das Unterrichten, im Sinn.
Nach dem Tod des Letztgenannten im Jahr 1804 suchte Pauline einen geeigneten Nachfolger. Wer könnte das ihr am Herzen liegende Schulwesen in Lippe im Sinne ihrer Vorgänger weiter fördern? Im eigenen Fürstentum bot sich niemand an. Daher erstreckte sich ihre Suche weit über die Landesgrenzen hinaus. Mehrere Persönlichkeiten wurden in Aussicht genommen, unter anderen auch der Pfarrer Ludwig Natorp, ein bekannter Schulreformer in der damaligen Zeit. Doch alle angeschriebenen Persönlichkeiten sagten aus den unterschiedlichsten Gründen ab. Schließlich wurde Pauline auf den Prediger Ferdinand Weerth aus Kettwig aufmerksam gemacht. Dieser hatte als 31-jähriger bereits einen Namen unter den Schulreformern. Nach anfänglicher Zurückhaltung folgte er schließlich dem Ruf der Fürstin Pauline und schon nach kurzer Zeit war sie der Überzeugung, in Weerth die Persönlichkeit gefunden zu haben, die sie gesucht hatte. Er war der Mann, dem alles was Schule betrifft, Hauptsache war.
In der Tat nahm Weerth schon bald entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung des Unterrichts. Er ordnete an, dass die Prediger gemeinsam mit den Lehrern Schulpläne erstellen mussten. Auf seinen vielen Visitationsreisen nahm er die Gelegenheit, diese Pläne zu besprechen und ggf. zu korrigieren. Bei dieser Gelegenheit kam er zu der Erkenntnis, die nicht seminaristisch ausgebildeten und zumeist überalterten Lehrer durch jüngere Seminaristen zu ersetzen. Von ihnen versprach er sich eine fruchtbare Durchsetzung seiner Reformvorhaben. Daher widmete Weerth seine besondere Aufmerksamkeit dem Lehrerseminar in Detmold, das im Jahr 1781 von Graf Simon August gegründet wurde. Dieses Lehrerseminar, eines der ältesten in Deutschland, war zunächst in dem damaligen Waisenhaus auf dem Bruchberg untergebracht. Weerth weilte fast täglich im Seminar und erteilte zuweilen auch selbst Unterricht. Auch die Lehrerfortbildung war ihm ein wichtiges Anliegen. Pädagogisches Vorbild waren für ihn die Reformbestrebungen des Schweizers Johann-Heinrich Pestalozzi. Weerth empfand viel Bewunderung dessen neuen Ideen gegenüber. Er schickte Beobachter nach Burgdorf, der Wirkungsstätte Pestalozzis, und aufgrund ihrer Berichte wurden im Seminar Übungen in der Pestalozzischen Methode abgehalten. Um die Lehrer in ihren pädagogischen Bemühungen zu stärken, ließ Weerth sie in bestimmten zeitlichen Abständen ihre Gedanken schriftlich festhalten. Er verlangte halbjährliche Berichte, in denen der Lehrer sich nicht nur selbst über seinen Unterricht Rechenschaft zu geben hatte, sondern auch eigene Vorschläge und Anregungen unterbreiten sollte. Darüber hinaus ließ Weerth überall im Lande Schulkonferenzen abhalten. Er selbst ging mit gutem Beispiel voran. So kamen in seinem Sprengel alle vier Wochen seine dort unterrichtenden Lehrer an einem Sonnabendnachmittag in seinem Haus zusammen und diskutierten miteinander.
Ein großes Ärgernis waren für Weerth die unzulänglichen, zum Teil menschenunwürdigen äußeren Bedingungen des Schulunterrichts. In vielen Gegenden gab es noch keine eigenen Schulhäuser, und die bereits vorhandenen entsprachen in keiner Weise den reformerischen Bestrebungen. Leider waren die Zeitverhältnisse äußerst ungünstig. Der Beitritt Lippes zum Rheinbund, der Unterhalt eines eigenen Militärs erforderten große finanzielle Opfer für das kleine Land Lippe, so dass die Schule zurückstehen musste. Schlimm stand es auch um die persönlichen Einkünfte der Lehrer. Um die äußere Not ein wenig zu lindern, erreichte Weerth bei der Fürstin die Einrichtung einer Vorschuss- bzw. Leihekasse.
Der mühevolle Einsatz für die lippischen Schulen hat mit der Zeit auch an der Gesundheit Weerths gezehrt. So erlitt er im Jahr 1830 nach Beendigung seiner sonntäglichen Predigt einen Schlaganfall, von dem er sich jedoch bald wieder erholte. Noch sechs Jahre konnte er danach sein Amt fortführen. Am 18. Oktober 1836 jedoch verlassen ihn bei einem Besuch des Lehrerseminars, dieses war inzwischen in die ehemalige Pflegeanstalt in der Schülerstraße verlegt worden, plötzlich die Kräfte und er bricht tot zusammen. Zu seinem Andenken wurde 1901 in Sichtweite des späteren Seminars in der Seminarstraße auf einem nach ihm genannten Platz ein Denkmal errichtet.
Einer der Nachfolger Weerths, der Superintendent Drewes, schreibt über den Verstorbenen:
"Er war ein edler, frommer, wissenschaftlich allseitig gebildeter, unermüdlich tätiger Mann. Sein Name verdient mit goldenen Lettern in der Geschichte der lippischen Schule und Kirche zu prangen."
Der Name Weerthschule wird häufig dem Sohn Ferdinand Weerths, nämlich Georg Weerth, zugeordnet. Der Grund für die Verwechslung mag darin gesehen werden, dass Georg Weerth eine größere Beachtung über die lippischen Grenzen hinaus gefunden hat. Als Feuilletonchef der von Karl Marx geleiteten Zeitung "Neue Rheinische Zeitung" hat Georg Weerth in den Revolutionsjahren 1848/49 viele satirische Texte verfasst, die sich überwiegend mit Gesellschaft- und sozialkritischen Fragen beschäftigten. So wurde er in den unruhigen Jahren der 48-er Revolution ein viel beachteter und geachteter Streiter, bis er sich wieder seinem erlernten Beruf, dem Kaufmannsberuf, zuwandte. Er war zuletzt Handelsagent auf Kuba und starb dort mit 34 Jahren an einer Malariainfektion.
Mit der Entwicklung der Schule hatte Georg Weerth im engeren Sinne also nichts zu tun, weshalb bei der Namengebung auch nicht an ihn, sondern an seinen Vater Ferdinand Weerth gedacht war.
(Rektor der Weerthschule bis 1989)